ehemaliges Sommerfeld-Verkaufsbüro in der Karl-Marx-Str. 117, Kinderzeichnung

3. Standort

Februar 2nd, 2016 Posted by Museums-Skizze No Comment yet

Derart entworfene Ausstellungen lösen sich von der Materialität eines Exponats und legen den Fokus auf die diskursive Ebene, was ebenfalls Auswirkungen auf den Museumsstandort und dessen Raumbeschaffenheit hat.

Ein Museum, das auf Teilhabe setzt, braucht einen öffentlich leicht zugänglichen und zentral gelegenen Standort, der sich in den Ort einpasst und bereits durch seine Architektur mögliche Hemmschwellen überwindet. Ideal wäre ein einladender Ort, der einem direkt ein  Willkommensgefühl vermittelt und an dem man sich im besten Fall zuhause fühlt. Zugleich sollte das Museumsgebäude als Teil der lokalen Identität angenommen werden können.


Das ehemalige Sommerfeld-Verkaufsbüro in der Karl-Marx-Str. 117


Ein Gebäude wie das ehemalige Verkaufsbüro von Adolf Sommerfeld in der Karl-Marx-Str. 117 bietet sich hierfür in mehrfacher Hinsicht an. Es ist zentral gelegen, in unmittelbarer Nähe zur »neuen Mitte« am Rathausmarkt und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln entsprechend gut zu erreichen.

Vor allem aber besitzt Kleinmachnow mit diesem Gebäude den nahezu original erhaltenen Ausgangspunkt seiner modernen Siedlungsgeschichte. Adolf Sommerfeld hat Kleinmachnow durch seine unternehmerische Tätigkeit überhaupt erst zu dem Ort gemacht hat, der er heute ist. Seine für Kleinmachnow so typischen Siedlungshäuser prägen bis heute maßgeblich das Erscheinungsbild des Ortes.

In diesem Gebäude fanden die ersten Interessenten- und Kaufgespräche für die Siedlungshäuser statt und damit auch der erste Kontakt zwischen den späteren Siedlern und ihrer zukünftigen Heimat. Das Gebäude hat einen unschätzbaren historischen Wert für Kleinmachnow und ist selbst bereits DAS museale Exponat.

Es hat sich nicht nur in seiner ursprünglichen Raumaufteilung, sondern bis ins kleinste Detail erhalten – seien es die originalen Steckdosen, die alten Beschlägen, die Kachelöfen oder der Waschzuber im Keller. Das gesamte Objekt inklusive seines Grundstücks hat sich einen Charme bewahrt, den es unbedingt zu nutzen gilt. Ein partizipatives Museum benötigt einen lebendigen Ort der Inspiration, der gleich­zeitig institutionell nicht besetzt ist und der Geschichte bereits durch seine Form, seine »Museumshülle« erlebbar machen kann.

Darüber hinaus befindet sich das Gebäude in Gemeindebesitz, ein Grundsatzbeschluss zur denkmalgerechten Sanierung ist bereits getroffen. Für eine partizipative Nutzung ist das Gebäude ein Glücksfall und bietet einer künftigen musealen Wirkungsstätte die Chance auf eigenständige Bespielbarkeit jenseits einer vermieterabhängigen Duldung. Hier ist insbesondere an Aktionen und Veranstaltungen zu denken – für ein lebendiges Museum unerlässlich.

In Anlehnung an seine eigene Geschichte als Denkmal für die Siedlungsgeschichte Kleinmachnows böte sich im Gebäude in der Karl-Marx-Str. 117 die Möglichkeit, das Haus für spezielle Veranstaltungen entsprechend zu bespielen und gestützt an die vormalige Nutzung der Räume Veranstaltungen stattfinden zu lassen, die den Besucher erfahren lassen, wie hier im Wandel der Zeit gelebt und gearbeitet wurde.

In ähnlicher Form findet jährlich im August im Sinne von »living history« [1] im Freilandmuseum Lehde in Lübbenau im Rahmen der »Spreewälder Lichtnacht« die Aktion »Lehde geht schlafen« statt, bei der das Leben im Spreewalddorf vor 150 in den Nachtstunden durch Schauspieler dargeboten wird.

Zankende Eheleute und tratschende Mägde laden die Besucher ebenso wie die Lehder Großfamilie dazu ein, mitzumachen oder einfach nur das Dabei-Sein zu genießen. [2] Aktionen wie diese machen Spaß, etablieren das jeweilige Museum und motivieren, sich auch zukünftig über das Museum auf dem Laufenden zu halten und es zu besuchen.


Außermuseale Standorte


Neben den historischen Gebäuden, Denkmälern, Kunst im öffentlichen Raum oder auch geschichtlich bedeutsamen Kulturinstitutionen wie etwa den Kammerspielen gibt es in Kleinmachnow weitere Punkte der Erinnerungskultur, an denen sich Ortsgeschichte ereignet hat, die aber bislang als solche nicht hinreichend gewürdigt werden konnten, schlicht und ergreifend deswegen, weil es dafür keine entsprechende Institution gibt.

Die Siedlung »Am Stolper Weg« gehört ebenso dazu wie Gedenkkreuze für Maueropfer (Karl-Marx-Straße Ecke Wolfswerder) oder das Schulmuseum in der Eigenherd-Grundschule. Diese und weitere Orte lassen sich verbinden: Durch (interaktive) Schautafeln, die sich nach und nach an den jeweiligen Orten aufstellen lassen und für die jeweils Patenschaften übernommen werden könnten, verbänden sich damit auch die bisher privateren Geschichten zur Kleinmachnower Geschichte als gebündelte Erinnerungskultur: als Erinnerungsspeicher der Stadt, der das Museum in die Stadt bringt, kontinuierlich erweiterbar ist und das partizipative Museumskonzept in den Stadtraum überträgt.

(c) 2016 | Sandra Oppmann

 


[1] Unter »living history« versteht man das Darstellen historischen Lebens, welches meist im Rahmen von temporären Veranstaltungen durch entsprechende Kleidung und Umgebungsgestaltung einen Einblick in das Leben einer bestimmten Gesellschaft geben soll. So findet beispielsweise im Museumsdorf Düppel jährlich wiederkehrende Mittelalter- oder Ritterfeste statt.

[2] http://www.spreewaelder-lichtnacht.de/Programm_Luebbenau_Spreewald_Lehde

Ein ausführliches Literaturverzechnis finden Sie unter diesem Link: Literaturverzeichnis

Den vollständigen Text des Diskussionspapiers finden sie hier: Museum_im_Anbruch

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